Die (Ves)-Panamericana

Der Plan

Viele in meinem privaten Umfeld sind über meine anstehende Tour bereits voll im Bilde. Aber da man ja nie weiß, wer sich sonst noch so hier her verirrt und meine geistigen Ergüsse liest, gehe ich nochmal auf den Plan hinter meinem nächsten „Projekt“ ein.

Das Gefährt

Meine treue Bertl, eine 37 Jahre alte Vespa mit geballten 125 ccm, wird im Laufe der nächsten Woche, verpackt in einer Holzkiste, ihre Reise zunächst per LKW nach Bremen und von dort per Schiff nach Cartagena in Kolumbien antreten. Alles in allem wird Bertls Reise circa vier Wochen dauern. Ich selbst fliege dann am 20. Juli nach Barranquilla, ebenfalls Kolumbien.

Der Terminplan

Euer innerer Schlaubi Schlumpf hat jetzt vermutlich bereits ausgerechnet, dass Bertl später ankommt als ihr Pilot. Bis mein fahrbarer Untersatz also ankommt, werde ich mir das ein oder andere kühle Blonde an der Karibikküste Kolumbiens gönnen und ein paar Tauchgänge loggen.

Wenn dann die Nussschale, die meine Bertl an Bord hat, irgendwann in Cartagena ankommt, nehme ich meine orange Göttin dort in Empfang und meine eigentliche Tour kann starten:

Die Route

Mit Zelt, Schlafsack, Isomatte, Benzin- und Wasserkanister, meinem eigentlichen Gepäck (7 kg Handgepäck) sowie kiloweise Ersatzteilen und Werkzeug bepackt will ich versuchen bis Ende diesen oder Anfang nächsten Jahres von Kolumbien über Ecuador, Peru und Bolivien nach Argentinien, genauer Feuerland, zu reisen. Ziel ist Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt. Dass ich mir hierfür ein halbes Jahr Zeit lasse, hängt mit dem Reisewetter zusammen. Das Wetter in Feuerland lässt für Fahrten auf eigener Achse (zumindest auf völlig untermotorisierten und in Gänze eigentlich ungeeigneten italienischen Rollern) nur Dezember bis Februar zu. Mein Zeitplan macht sich also diesbezüglich ganz von selbst. Wenn ich es bis dorthin geschafft habe ohne, dass sich die Federn der Sitzbank centimetertief in meinen Arsch gestanzt haben, dann mache ich mich an den Rückweg gen Norden über Chile und quere von dort nach Uruguay. Auch hier spielt das Wetter wieder eine entscheidende Rolle bei der Planung. Außerdem hat Uruguay mit Montevideo einen großen Hafen und ermöglicht mir von dort wahrscheinlich am ehesten den Rück- oder Weitertransport (nach Afrika) von Bertl.

Ohne Umwege beläuft sich die Tour auf circa 16.000 km. Ich werde allerdings bewusst viele Umwege einbauen und daher die 25.000 km sicherlich locker sprengen. Siehe hier…

Stay tuned…

2 Antworten zu “Die (Ves)-Panamericana”

  1. Der dringende Wunsch über den Tellerrand des Bekannten hinausblicken zu wollen, ist eine der aufregendsten Krankheiten. Zu verlockend ist die Fremde, das mysteriöse Unbekannte. Gleichwohl ist es Initiationsritus einer halbintellektuellen Mittelschicht geworden, die Konformität des Alltags zu verlassen, um dem kollektiven Individualtourismus zu frönen. In Scharen zieht es jene spätpubertierenden Scheindenker in die mystisch angehauchte Fremde, um die Welt in Form etlicher wohldurchdachter Selfies in das Korsett ihres Taschengehirns zu pressen, um sie im Netz zu publizieren.
    Ist es der Versuch der Gewinnung gesellschaftlicher Anerkennung durch Selbstaufgabe der eigenen ach so schützenswerten Privatsphäre, oder doch der nahezu ironische Wunsch eines indoktrinierten Massenbewusstseins, sich von eben jenem zu lösen, so bleibt das Phänomen Individualtourismus doch Privileg des zeitgemäßen digitalisierten Menschen.
    Das Reisen bildet diese nach etwas strebenden Individuen, doch bilden sich viele dieser auch etwas darauf ein. Zu zahlreich sind die unzähligen Reiseblogs, deren Existenz nur durch die gesellschaftlich internalisierte Vereinnahmung des Internets zur Selbstdarstellung ermöglicht wird. Waren publizierte Reiseberichte einst eine Sonderform intellektueller Schriftsteller*innen, um ihren eigenen Erkenntnisprozess beim Streben nach Weisheit festzuhalten, sind sie nun Waffe derer, die den Kampf um Beachtung und eigener Monumentalisierung fechten; nun gut.
    Es bleibt abzuwarten, ob das literarische Ich dieses Blogs in gewohnt narrativer Weise diese Tradition fortsetzt, oder ob die, an die, die Grenzen von Literatur und Reportage verwischenden, Texte eines radikalisierten Hunter S. Thompson erinnernden, ersten Zeilen dieses Blogs Bekundung einer noch sich fortsetzenden kreativen Schreibfeder sind.
    Im Sinne Douglas Adams bleibt nur zu hoffen, dass wir hier einen äußerst bemerkenswerten Blog vorfinden werden. Wahrscheinlich der bemerkenswerteste Blog, von dem je kein Erdenmensch bisher gehört hat.
    Dem strebenden Männchen, welches auf seinem quirligen Trottinett, den Daumen mit dem übergestülpten „Sub-Etha-Sens-o-Matic“, quasi ohne Anhalter in die Galaxis knattert, bleibt daher nur das Beste zu wünschen.

    Liebe Grüße und „KEINE PANIK“

    Johannes

    1. Chapeau Diggi. Klasse Text. Miss mich bitte auch weiterhin an meinen eigenen Worten und lass es mich in gewohnt schonungsloser Art wissen wenn ich zu sehr in Richtung „spätpubertierenden Scheindenker“ abdrifte.

      Prinzipiell bin ich aber sehr tolerant gegenüber allen Arten von Reisenden eingestellt. Dein Text beschreibt zwar tatsächlich eine immer noch größer werdende Mehrheit der Reisenden, deren Gier nach Likes nur noch von Ihrer Geilheit darauf, sich selbst beim Erfahrungs-„austausch“ zuzuhören, getoppt wird. Aber mit dieser Art von Reisenden muss ich mich ja nicht abgeben. Ebenso muss ich mich nicht mit deren in die digitale Ursuppe geblasenen Datenmüll befassen. Schließlich muss ich Ihnen auf keinem der einschlägigen sozialen Netzwerke folgen. Es soll also jeder tun und lassen was und wie er will.

      Für mich gilt aber weiterhin: Spätestens nach dem ersten mit einem bedeutungsschwangeren Zitat versehenen Bild, auf dem ich mit Wanderlust-Tattoo auf dem Unterarm und Dreadlocks auf der Rübe auf einer Slackline balanciere, mach ich den Bums hier zu.

      Danke für deinen Kommentar.
      Nobby

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