Meine Bertl – die Vespa, die mich von Kolumbien nach Feuerland tragen soll

Beim Blick auf den Kalender hätte ich mir heute Morgen fast meinen ayurvedischen Smoothie über den Politikteil der BILD-Zeitung gespuckt. T minus vier Tage bis zu meinem Abflug nach Kolumbien. Ich habe mich in meiner inzwischen üblichen Reiseroutine die letzten Tage nochmal durch die Hinweise des Auswärtigen Amtes gelesen, meinen Rucksack gepackt und mir die letzte Impfung (Gelbfieber) in den Pommespiekser, den ich Oberarm nenne, geben lassen. Alles im Lack also. Höchste Zeit mal ein paar Worte zu meinem fahrbaren Untersatz los zu werden.

Die Reuse

Bei meiner Bertl handelt es sich um eine Vespa P80X (auch PX 80 alt), Baujahr 1982, mit einem (legal) verbauten 125 ccm Motor einer P125X (PX 125 alt), ebenfalls Baujahr 1982. Die damals noch ungetaufte original-orange italienische Rasselady, habe ich mir vor über 12 Jahren, mit damals 16 Jahren gekauft. Mit dem für diese Tour noch drunter geschnallten Rennauspuff (SIP Road 2.0), macht die Gute bergab mit Rückenwind und angelegten Lauschern circa 90 km/h. Bei erwähntem Rennauspuff handelt es sich um die einzige technische Veränderung. Alles andere ist, unter anderem um im Ausland leichter an Ersatzteile zu kommen, im Originalzustand. Soll heißen, Zylinder und Kupplung original und zu trinken bekommt Bertl durch einen Dell’Orto SI 20/20.

Die P80X von 1982 war eine der letzten Modellreihen ohne Getrenntschmierung. Für mich heißt das also bei jedem Tankgang mit dem Messbecher ein Fünfzigstel der getankten Benzinmenge in Zweitaktöl nachzukippen. In Deutschland alles kein Problem. Aber wer schon mal in Lateinamerika getankt hat, der weiß, dass getürkte Zapfsäulen keine Seltenheit sind und es der nicaraguanische Tankwart des Vertrauens auf magische Art und Weise schafft, 12 Liter Sprit in einen 10-Literkanister einzufüllen (und abzurechnen). Das muss ich bei der Berechnung also berücksichtigen. Im Zweifel gilt wie bei der Fleischauswahl für die Gulaschsuppe: Lieber zu fett als zu mager.

Die Neuinvestitionen

Neben besagtem Rennauspuff habe ich noch in einige andere Erweiterungen investiert. Nach einer sechstägigen und 1.300 Kilometer weiten Dolomitentour im letzten Sommer, bei der sich die Federn der damals noch 36 Jahre alten Sitzbank und mein knochiger Arsch nicht so gut verstanden haben, habe ich mir eine neue Sitzbank gegönnt. Ein erstes Probesitzen hat sich besser angefühlt, aber inwieweit sich mein erinnerungsfähiger Arsch mit der neuen Bank versteht, bleibt abzuwarten. Eventuell muss hier vor Ort improvisiert werden.

Um meinen gesamten Reisehausstand zu transportieren, habe ich außerdem 70 Fliesen in einen Heckgepäckträger investiert.

Eventuell wäre eine Investition in bessere Stoßdämpfer im Hinblick auf die in Südamerika allgegenwärtigen Speed Bumps sinnvoll gewesen. Hier habe ich aber beschlossen, dass ich das im Zweifelsfall vor Ort nachrüste, sollte es sich als notwendig erweisen.

Die Revision

Im Vorfeld der Tour habe ich Bertls Bremsbeläge für noch tauglich eingestuft, aber je einen Satz Beläge mit dabei um nach circa 5.000 Kilometern vorne und hinten einen Wechsel vorzunehmen. Austauschen musste ich jedoch die mindestens schon 12 Jahre und 15.000 Kilometer alten Kupplungsbeläge, habe jedoch auch diese nochmals in neu dabei um nach weiteren 15.000 Kilometern den dann fälligen Wechsel durchzuführen. Beim nötigen Check aller Teile, habe ich außerdem die Zylinderfußdichtung und alle Vergaserdichtungen erneuert. Die vorher inkontinente 37 Jahre alte Lady ist nun wieder trockener als ihr Besitzer. Weiter habe ich einen neuen Kabelbaum eingezogen, da Elektrikprobleme mit die Ekligsten in der Fehlerbestimmung und Reparatur sind. Hier gehe ich lieber erst gar kein Risiko ein. Außerdem habe ich bei der Gelegenheit gerade noch eine 12-Volt-Steckdose in meinem Gepäckfach verbaut um unterwegs auch mal mein Handy oder meinen E-Reader laden zu können.

Im Gegensatz zu Ihrem Besitzer ist Bertl also trocken, säuft mit rund 4,5 Litern auf 100 km weniger und hat einen korrekt eingestellten Vergaser. Da ich für den Transport per Schiff sowohl Benzin, als auch Getriebeöl ablassen und die Batterie abklemmen musste, heißt es vor Ort in Cartagena also nur noch: Kiste aufmachen, Sprit und Öl einfüllen, Batterie anhängen und vom Hof rollen wie ein König.

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