Tag 2: Meine (im zweiten Anlauf) erfolgreiche Anreise nach Kolumbien

Die guten Nachrichten vorweg. Ich habe es nach Kolumbien geschafft…

…und bin bereits per Bus weitergereist an meinen ersten für einen längeren Aufenthalt anvisierten Stopp: Santa Marta an der Karibikküste Kolumbiens.

Wieso ich unterwegs hier her im Bumsbus Ben Affleck beim Sex zuhören musste und vieles mehr…

Abflug in München

Nachdem ich mich also einen ganzen Tag in und um München herum zu vergnügen hatte und dabei auch noch einen für lange Zeit letzten Döner mit alles und scharf zwischen die Kiemen geschoben habe, geht der restliche Verlauf der Reise überraschend problemlos über die Bühne. Pünktlicher Abflug in München, pünktliche Ankunft in Bogotá. Dazwischen nur leichte Probleme beim Ausfüllen der, ausschließlich in spanisch verfügbaren, Immigration Form.

Das nette kolumbianische Pärchen auf den Nebensitzen mit dem ich mich zuvor schon sehr nett unterhalten hatte, bietet mir seine Hilfe an. Ich willige ein und die Hilfe besteht darin, dass Herr Sitznachbar gegen den Willen von Frau Sitznachbar einfach alle Fragen in meinem Formular mit Nein beantwortet, in der Hoffnung, dass ich nicht wirklich eine lebendige Kuh oder mehr als 10.000 USD im Handgepäck mit mir transportiere.

Ankunft in Bogotá

Aber es klappt. Auch dank des fehlerfrei ausgefüllten Formulars steuere ich in Rekordzeit durch die Immigration Control, bekomme meinen Stempel verpasst und werde mit einem knorrigen „Bienvenido en Colombia“ weitergeschickt. Ebenso expressmäßig gelange ich durch den Zoll und weiter zum Gate von wo es wiederum pünktlich weitergeht nach Barranquilla.

Ankunft in Barranquilla, oder: Wo Lateinamerika endlich beginnt

Hier angekommen fährt mich ein Bus in einen kleinen ehemaligen Hangar, in den zwei Gepäckbänder hereinreichen. Der Raum ist nicht größer als 200 Quadratmeter und gleichzeitig die Ankunftshalle des Flughafens der viertgrößten Stadt Kolumbiens. Noch ehe ich mich von der unfassbaren Schwüle erdrücken lassen kann, ruft mich José, Gepäckbandbeauftragter des Flughafens Barranquilla zu sich und erklärt mir, dass mein Gepäck (nur die Tasche mit dem Getriebeöl etc.) später ankommt. Ich werde binnen zwei Stunden eine WhatsApp Nachricht oder eine Email erhalten, in der nach der Adresse für das Nachsenden des Gepäcks gefragt wird. Das kann ja nur klappen, denke ich mir, hinterlasse meine Kontaktdaten bei Jesús, dem Vizegepäckbandbeuftragten des Flughafens Barranquilla, und nehme ein Taxi zum Busterminal der Stadt.

Noch bevor ich überhaupt das Taxi verlassen habe, lauern bereits zwei Schlepper auf mich, die mich lautstark auf Spanisch darüber aufklären, dass ihr Busunternehmen das beste sei und ich für einen Spottpreis (der dem doppelten des regulären Preises entspricht) mit ihnen reisen könne. Wer schon mal das Vergnügen hatte, der weiß, dass diese Typen schwerer loszuwerden sind, als Fußpilz. Mehrere Versuche ihnen auf spanisch klar zu machen, dass ich mich erst orientieren möchte und ich meinen Bus schon selbst buche, verlaufen im Sand. Sie folgen mir auf Schritt und Tritt und ich beschließe eine Änderung der Strategie. Auf vielen Reisen bereits bewährt hat sich Onkel Norberto’s Travelhack #1: Wenn alles nichts bringt, Deutsch reden. Ich blicke einem von beiden in die Augen, sage beherzt: „Junge, fasel mir jetzt keinen Rost ans Mofa. Den Bus bekomm ich wie alles im Leben billiger wenn ichs selber mach. Und wenn du mich jetzt nicht in Ruhe lässt, dann ruf ich die Kavallerie. Haben wir uns verstanden?“ Danach drehe ich mich um und laufe schnellen Schrittes davon. Sie bleiben zurück. Was für ein Sieg. Ich buche also meinen Bus regulär und ballere mir während ich auf diesen warte noch eine Portion“ frittiertes Ding mit anderem frittierten Zeug drin“ rein.

Der Bus nach Santa Marta

Um Punkt 08:30 Uhr steige ich in den Bus. Zuvor wird noch noch der Inhalt meines Rucksacks auf Waffen, Sprengstoff oder andere witzige Partymitbringsel untersucht. Als ich sitze, läuft dann noch der private Securitymann des Busunternehmens mit einer Digicam durch den Bus und lichtet die Visage jedes Fahrgastes persönlich ab. Ich denke nicht, dass dieses Vorgehen der neuen DSGVO entspricht, behalte das aber für mich. Für lateinamerikanische Verhältnisse pünktlich, fährt der Bus mit deutschen 34 Minuten Verspätung ab. Immerhin die Klimaanlage funktioniert. In den von der Decke hängenden Bildschirmen läuft eine dieser hier so beliebten Telenovelas. Dank meiner Spanischkenntnisse entnehme ich der Handlung, dass es um einen Polizeipräsidenten geht, der nach einer Affäre mit einem Esel nun nicht mehr seinem Hobby, der Kürbisschnitzerei, nachgehen kann. Oder so. Schlimmer ist die Lautstärke und die Qualität der Boxen, die blecherner nicht dröhnen könnten, weshalb die Fahrt nur mit Ohropax durchzustehen ist. Unterwegs wechselt das Programm auf eine Hollywoodschnulze mit Ben Affleck. Und pünktlich zur Einfahrt in das Busterminal von Santa Marta werden 23 Kolumbianer und ein Gringo im Bus Zeuge wie Ben Affleck und eine mir nicht bekannte blonde Schauspielerin Sex miteinander haben. Auf spanisch. „Eso es, eso es, eso eeeeees.“ Verstohlen blicke ich mich um und sehe plötzlich ein Grinsen in vieler der bis dahin eher versteinerten kolumbianischen Gesichter. Witzig ist es ja auch. Über die urlauten Lautsprecher muss das Gebumse bis nach Venezuela hörbar sein.

Santa Marta

Ausgestiegen aus dem Bumsbus geht es für mich per Taxi ins Zentrum von Santa Marta. Für, für mich teure, EUR 15,- pro Nacht quartiere ich mich in einem Einzelzimmer mit Klimaanlage und Frühstück inklusive ein. Eine Tradition. Ich werde noch früh genug in verranzten Bretterbuden absteigen. Da lasse ich es mir anfangs nach den Strapazen des Hinfluges gut gehen.

Ich erkunde Santa Marta noch etwas, hebe meine ersten kolumbianischen Pesos ab, esse gut zu Mittag und nach zwei Club Colombia meldet sich die Müdigkeit.

Als ich um 15 Uhr in meinem Hotelbett einschlafe, weiß ich noch nicht, dass aus dem geplanten kurzen jetlagbedingten Mittagsschlaf ein zwolfstündiger Besuch im Land der Träume wird. Und so sitze ich nachts/morgens hier und schreibe diesen Beitrag.

Der Plan

Der Plan für heute sieht vor, mein Gepäck zu dem ich weder WhatsApp Nachricht noch Email erhalten habe, irgendwie zurückzubekommen. Außerdem muss ich noch einige weitere Besorgungen machen, und werde die Gelegenheit nutzen, Stadt, Essen und Leute kennenzulernen und nicht wegen der Hitze zu kollabieren.

Stay tuned.

Norberto

1 Antwort zu “Tag 2: Meine (im zweiten Anlauf) erfolgreiche Anreise nach Kolumbien”

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