Tage 5 und 6: In und um den Nationalpark Tayrona

Während in Deutschland Hitzerekorde fallen, beginnt mein Tag hier für karibische Verhältnisse eher kalt, grau und windig.

Schon der Gedanke daran, bei dem daraus resultierenden Seegang gleich bei voller Fahrt in einer kolumbianischen Nussschale mein Tauchequipment richten zu müssen, verschafft mir Bauchkirmes.

Tauchen rund um den Nationalpark Tayrona

Die Sorge war berechtigt. Zwar hilft mir Jonny, mein herzallerliebster Dive-Master, indem er mir das Vorbereiten des Equipments abnimmt. Die See schlägt trotzdem zu und färbt mein bubibaftes Milchgesicht in ein zartes Grün. Meine Frage, ob es möglich ist in das Atemgerät zu kotzen, wird von jedem an Bord nur mit einem Lachen quittiert. „Norberto, du bist wirklich der witzigste und coolste Typ, den wir jemals auf unserem Boot hatten“. Sagt keiner. Denkt vermutlich auch keiner. Rede ich mir trotzdem ein, dass das jemand denkt? Auch nicht, nein.Ich frage meine Frage nochmals und betone, dass ich die Frage wirklich ernst meine. Die Antwort ist erhellend. Ja, es ist möglich. Ja, man kann danach einfach weitertauchen. Ja, es hat auch schon jemand gemacht. „Schön, dass wir darüber gesprochen haben„, raune ich Jonny noch zu ehe sich mein ganzer Körper wieder darauf fokussiert, sich nicht von innen nach außen zu stülpen. Kaum im und unter Wasser sieht die Welt anders aus. Klar, ist ja auch unter Wasser. Aber auch mein Befinden ist merklich besser. Die beiden Tauchgänge in den Gewässern rundherum um den Nationalpark Tayrona werden mir als zwei meiner besten in Erinnerung bleiben. Tintenfische, bis zu einem halben Meter groß, Barrakudas vom selben Ausmaß, dicke Hummer, Clownfische, ein massives Seepferdchen und massig Muränen.Außerdem zeigt mir Jonny wie man Ringe blubbert oder sie mit den Händen formt und von sich wegschießt. Skillset erfolgreich erweitert. Damit kann man 30 Meter unter der Wasseroberfläche schon mal Ladies und Langusten beeindrucken.

Alle Wege führen nach Santa Marta

Aber ich will ja nicht nur um den Park herum tauchen, sondern den Park auch betreten. Entgegen meiner eigentlichen Planung beschließe ich dazu von Santa Marta per Bus für umgerechnet EUR 2,- zu fahren. Die Alternative per Boot direkt aus Taganga ist mir mit umgerechnet etwa EUR 14,- dann etwa EUR 12,- zu teuer, weshalb ich nachmittags zurückkehre nach Santa Marta. Auf dem Weg dorthin gelingt mir bei inzwischen aufgeklartem Himmel aus dem Bus noch das Foto, das mir am Tag zuvor wegen bewölkten Himmels versagt blieb. Der Blick vom angrenzenden Hügel auf die Bucht von Taganga.Angekommen in Santa Marta suche ich ein günstiges Hostel, in dem ich für eine noch nicht definierte Anzahl Nächte einen Teil meines Gepäcks zurücklassen kann, während ich im Nationalpark bin. Ich werde fündig und bezahle mit 14.000 Pesos, umgerechnet weniger als EUR 4,-. Frühstück inklusive. Ich werfe ab und gönne mir nach diesem ereignisreichen Tag mit meinen ersten Salchipapas noch die lateinamerikanische Version eines Dönertellers. Ein Mix aus Salchichas (Würste) und Papas Fritas (Fritten) gemischt mit etwas grünem Salat, übergossen mit etwas Sauce und überstreut mit geriebenem Käse.

Hostelalltag

Noch immer nagt der Jetlag irgendwie an mir und ich gehe noch vor 21 Uhr zurück in mein Hostel. In diesem ist inzwischen das Wasser ausgefallen. Außerdem bekomme ich für mein Geld zwar ein an sich gemütliches Bett. Jedoch in einem Zimmer, in dem mich nur eine 6 mm starke, löchrige, auf dem Boden nicht fest verschraubte OSB-Platte von der Straße trennt. Da nachts ein Sturm vorbeizieht und die Platte immer wieder mal etwas anhebt, ist für frische Luft im Viererschlafsaal bestens gesorgt. Als ich am Morgen aufstehe, fließt noch immer kein Wasser. Mit einem Eimer wird stattdessen Wasser aus dem Regenfass gereicht, um damit zum Beispiel die Notdurft runterzuspülen. Laut der sehr netten Besitzer ist das normal und passiert öfter.

Der Weg in den den Park

Apropos Notdurft: Frisch gestärkt vom inkludierten Frühstück – zwei Scheiben Toast natur und ein paar Stücke Melone – und voller Vorfreude darauf, in dieses Hostel zurückzukehren, mache ich mich auf den Weg in Richtung Bus zum Nationalpark. Unterwegs decke ich mich noch mit Wasser und etwas zu essen ein. Beides ist auch im Park zu finden. Aber zum dreifachen Preis.Hat man am Eingang den, für Ausländer doppelt so teuren, Eintritt bezahlt, kann man sich entweder per Shuttle nochmal 2,5 Kilometer in den Park fahren lassen oder jene Strecke laufen. Mir ist nach Laufen. Und während alle anderen sich fahren lassen, marschiere ich und sehe bereits hier meine ersten Affen auf kolumbianischem Grund.

A walk in the park

Ausschließlich positiv war diese Entscheidung allerdings nicht. Da ich mir zum Schutz gegen Mücken und deren übertragbare Krankheiten wie beispielsweise (unvollständige Aufzählung folgt) Dengue-Fieber, Malaria, Chikunguya (oder so) oder Zika eine lange Hose um den viel zu bleichen Bauch gebunden habe, zerbruzzelt mich die Hitze langsam aber sicher entlang dieser geteerten Straße mit wenig Aussicht auf Schatten.Ich bin froh als der Weg irgendwann in den Dschungel, entlang von verflucht großen Steinen…und hammermäßigen Ausblicken auf den karibischen Ozean führt.Nach gesamthaft circa 7,5 Kilometern Fußmarsch, suche ich mir einen Campingplatz im Park, werde wie üblich fündig und reserviere mir eine Hängematte im 27er-Schlaf“saal“, dessen fusballtornetzähnliches Moskitonetz heute Nacht immerhin Moskitos von der Größe eines handelsüblichen D-Jugendfußballs abhalten wird. An diesem Abend begutachte ich mit dem Playa Arrecifes noch den einzigen Strand im Park, an dem man besser nicht schwimmen geht, will man es nicht den laut Schild über 100 vorher Ertrunkenen gleich tun. Aufgrund dessen jedoch, ist der Strand menschenleer und perfekt um sich etwas auszuruhen. Und während am leeren Strand also rechts und links die Wellen gegen die riesigen Steine prallen, beginnt nur ein paar Meter hinter mir der Regenwald, aus dem der Dampf aufsteigt. Wahrlich eine besondere Szenerie, deren Stimmung ich versuche so gut es geht abzuspeichern. Das wahre Highlight des Tages erwartet mich abends. Gebührend stärke ich mich mit Wiener Würstchen in Limettensaft, Thunfisch mit Gemüse und Hackbällchen in Tomatensauce. Dazu kombiniere ich noch eine Banane. Fazit: Zum Scheißen reichts.Später werden im campingeigenen Kiosk gemeinsam mit anderen Reisenden noch (gegen Bezahlung natürlich) die Biervorräte geplündert und sich über die bisherigen Erfahrungen und weiteren Pläne ausgetauscht. Der kleine Zeiger steht nach 23 Uhr als ich die Nacht beschließe.

Der Brüllaffenwecker

Als ich am heutigen Morgen von einem feinstens abgestimmten Chor von Brüllaffen und Vögeln (den Tieren) geweckt werde, zeigt jener kleine Zeiger allerdings auch erst nach 5. Die Brüllaffen klingen wahlweise wie eine drei Zentimeter neben dem eigenen Ohr einfahrende U-Bahn oder eine Horde Velociraptoren und lassen einmal aufgewacht heute keine Wiedereinschlafen zu. Ich mache mich also über ein wiederum sehr nahrhaftes Frühstück her und starte früher als alle anderen in meinen zweiten Tag im Nationalpark Tayrona.

4 Antworten zu “Tage 5 und 6: In und um den Nationalpark Tayrona”

  1. Hola Zweirad companyero ohne Zweirad, du machst sicherlich allen einen ganz großen Gefallen wenn du niemals ein Reise Kochbuch veröffentlichst 🤢🤢🤢
    Aber nochmal etwas zum Thema Zweirad, morgen wird der erste Kolumbieaner in der Geschichte der Tour de France diese gewinnen, fragt sich nur, mit was hat der gedopt.
    Also sofort ein gelbes Trikot kaufen 👍👍👍

  2. Dein Blog und die ganzen Anekdoten sind herrlich! Macht mega Spaß hier immer ma wieder reinzuschauen. Schreib auf jeden Fall weiter und hab ne gute Reise 🙂

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