Tag 13: Arepas, Alfredo und Luxusklopapier

Da ich wie gleich ausgeführt nun tatsächlich die lange angekündigte Dschungel-Trekkingtour zur Ciudad Perdida (Verlorene Stadt) machen werde und dort mal lässige vier Tage völlig ohne Netz sein werde, melde ich mich heute gleich nochmal mit der Vorgeschichte dazu. Der Bericht zur Ciudad Perdida selbst, dann erst in vier Tagen.

Ciao Minca

An diesem Morgen wache ich mit einem leichten Grummeln im Magen auf. Pünktlich zur, für den nächsten Tag geplant beginnenden, Dschungel-Expedition braut sich da offenbar was zusammen. Das ist deutsche Gründlichkeit. Den Dünnpfiff gleich schon mitbringen, aus lauter Sorge, ihn nicht im Dschungel sowieso abzubekommen. Vergleichbar ist das denke ich damit, die eigene Frau mit in den Puff zu nehmen.

Nach einem weiteren wirklich guten Frühstück, checke ich aus diesem Hostel in Minca aus. Und das erste Mal gehe ich wirklich ungern. Die Familie, die das Hostel betreibt, ist unfassbar nett, erkundigt sich den ganzen Tag ob sie bei etwas behilflich sein kann, gibt zu allem Auskunft, serviert für die knapp EUR 7,- pro Nacht jeden Morgen ein anderes Frühstück und die Nähe zum Fluss und die Sauberkeit sind weitere Pluspunkte.

Einziges Manko: Die Dusche. Die macht echt gar keinen Spaß…

Ankunft in Santa Marta, Klappe, die achtundfünfzigste

Also per Bus zurück nach Santa Marta. Der Plan sieht vor, mich dort nun endlich für die Viertagestour zur Ciudad Perdida einzuschreiben und Wäsche zu machen. Daher habe ich auch dieses Mal ein Hostel vorab gebucht. Denn wenn ich meine Wäsche heute noch frisch gewaschen zurück möchte, was essentiell ist, wenn ich nicht nackt durch den Dschungel turnen möchte, dann zählt jede Sekunde.

Aus dem Bus raus, laufe ich die paar hundert Meter zu meinem Hostel, checke ein bei Alfredo, der das ganze Hostel hier zu schmeißen scheint. Denn andere Mitarbeiter sehe ich genau so viele wie Vorderzähne in Alfredo’s Mund. Ernüchternde null. Ich drücke ihm meine Wäsche in die Hand und setze mich kurz an den Pool um auf der Karte zu checken wo die Touranbieter für die Verlorene Stadt sitzen. Meine Abneigung gegenüber geführten Touren, speziell in großen Gruppen ist zwar mit den letzten Jahren stets gewachsen. Zur Ciudad Perdida individuell zu trekken, ist aber leider nicht möglich.

Buchen

Der erste Anbieter hat sein Büro neben meinem Saftladen und so verbinde ich diese Gegebenheit und werde von meinem Safthächsler des Vertrauens mit Fistbump begrüßt. Amigo, maracuya naranja, de agua, sin azúcar. Genau das. Er erinnert sich an mich. Auf genauere Nachfrage deshalb, weil ich a) Gringo bin und b) der einzige Mensch, der hier ohne Zucker bestellt.

Schon nach zwei Anbietern ist klar: Wo ich die Tour buche, ist vollkommen latte. Gewandert wird dieselbe Route, gepennt in denselben Kabinen und der Ablauf ist exakt der gleiche. Wie auch der Preis. Mit 1,1 Millionen Pesos, fast EUR 300,-, schlägt dieser für die vier Tage zu Buche. Bei diesem Preis ist zwar auch wirklich alles inklusive. Bei einem Tagesbudget von circa EUR 33,- bin ich mit dieser Tour aber immer noch etwa EUR 170,- über Budget. Andererseits stehen mir in der Woche drauf einige Tage in Cartagena ins Haus, in denen ich nichts anderes machen werde, als zu versuchen Bertl aus dem Hafen zu bekommen, wo ich bei weitem weniger Geld brauchen werde als das oben genannte Tagesbudget. Noch kurz versucht zu handeln. Und zack. Erfolgreich gescheitert. Schon ein wenig widerwillig bleche ich also etwas über eine Million in bar. Ich hoffe das ganze ist es wert.

Packen

Jetzt heißt es Packliste abarbeiten. Wieso jeder der, inklusive mir, aktuell 14 Teilnehmer zum Beispiel eine Rolle Kackpappe in den Dschungel tragen soll, wird vermutlich morgen meine erste, auf perfektem Spanisch vorgetragene, Frage sein. Aber ich bin ein guter Soldat und kaufe neben den Standards (Power-Riegel, Nüsse und etwas Schokolade) eben auch eine einzeln verpackte Rolle Schachtpapier der teuersten Kategorie. Marke weiche Wolke. Fünf Lagen. Nachdem ich eben 1,1 Millionen für die Tour ausgegeben habe, will ich mich ja nicht wegen 300 Pesos Unterschied, auf dem Buschthron mit kolumbianischem Schleifpapier geißeln.

Der Zauber verfliegt…

Der Rucksack ist schnell gepackt und ich laufe, weil ich noch viel Zeit habe, wieder etwas durch Santa Marta. Inzwischen habe ich nun aber wirklich alles einmal gesehen. Ich will mich also kurz an der Promenade niederlassen. Drei Minuten, vier Mal no gracias, no fumo weed. Alter. Also wieder aufgestanden, weitergelaufen.

An einer Straßenecke werde ich Zeuge von viel Geschrei und einer massiven Menschentraube. Ich steige aber nicht durch, warum. Kein Unfall. So viel ist Mal sichael. Ich stelle mich etwas entfernt auf und versuche zu kapieren was vor sich geht. Im Durcheinander erkenne ich irgendwann auch zwei Polizisten im Zentrum. Aber weiterhin stehen ringsherum Leute und schreien laut, auf was immer sich dort in der Mitte befindet, ein. Das ganze kulminiert für mich persönlich als im Ernst auch noch ein Getränke- und ein Hotdogverkäufer vorbeikommen um den Mob zu versorgen. Was zur Hölle passiert hier? Ein Spaßvogel, mit Eiern aus Stahl läuft vorbei und lässt einen der Beutel Trinkwasser platzen, die hier für ein paar Pesos verkauft werden. Er macht damit einen Nebenkriegsschauplatz auf, denn nicht alle der Schreihälse finden die ungewollte Dusche so witzig. Die Polizei nutzt die Verwirrung und rennt plötzlich mit vier Mann und einem Verhafteten, die scheinbar alle im Zentrum des Mobs waren, los in Richtung eines Polizeiautos. Schreiend hinterher: Der Mob. Alles geht schnell. Alle Mann in die Kutsche und weg. Eine Verhaftung war das also. Eine ganz normale Verhaftung auf Kolumbianisch, währendderer sich der pöbelnde Gaffermob noch mit Essen und Trinken eindecken konnte. Da fällt einem doch echt nichts mehr ein.

Später ist dann zwar der Sonnenuntergang wieder toll. Aber ich merke, dass der Zauber des Anfangs, den diese Stadt als meine erste Südamerikanische hatte, langsam verfliegt. Es wird nun wirklich Zeit, dass ich zu dieser Tour aufbreche und danach Santa Marta in Richtung Cartagena verlasse. Ich vertreibe mir die Zeit also noch etwas mit Netflix und penne eine Runde neben dem Pool. Für die Vokabel-App bin ich heute auch zu faul. Dieser scheiß aggressive Duolingo-Vogel wird es verkraften.

Streetfood

Ich mache heute eigentlich zum allerersten Mal einen richtigen Streetfood-Abend. 1.000 Pesos für diesen (auch in Echt verschwommenen) Spieß mit Fleisch, Kartoffeln, Paprika und Zwiebeln…

…und nochmal 3.500 Pesos für eine Arepa. Ein dickerer Maisfladen, den die Arepa-Lady aufschneidet, innen mit etwas Butter bestreicht und dann immer mit Käse und je nach Wahl auch mit Fleisch befüllt. Etwas Guacamole und Chili drüber. Fertig.

Die Arepas werden ökologisch vertretbar auf einem Bananenblatt, statt auf Alufolie heiß gemacht/gehalten, ehe sie dann auf einem Plastikteller in einer Plastiktüte verkauft werden. Klimabilanz ausgeglichen.

Und so dümpelt insgesamt betrachtet dieser Tag irgendwie vor sich hin. Nicht verschwendet, aber nun auch nicht wirklich freudebringend genutzt, warte ich einfach nur darauf, dass es Morgen wird.

2 Antworten zu “Tag 13: Arepas, Alfredo und Luxusklopapier”

  1. Ich würde sagen, als Kriegsberichterstatter wärst du absolut Top gewesen (Bericht der Verhaftung)
    Also dann mal los zur Tour und hoffentlich bald mit Zweitackter Duft in der Nase.

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