Tage 29, 30, 31 und 32.1: Onkel Norbert hat Fieber

Ayyyyy Freunde, eine weitere Berg- und Talfahrt liegt hinter mir. Fieber, Bertl, Spedition… Alles was Rang und Namen hat. Für die Qualität des Beitrages entschuldige ich mich aufrichtig schon an dieser Stelle. Mit meiner fiebrigen Matschrübe fällt mir das Schreiben tatsächlich schwerer als sonst.

Sonntag und Maria Himmelfahrt

Irgendwie verschwimmen die ersten beiden Tage in Cartagena zu einem Einheitsbrei. Ich kann nicht mehr sagen, was am Sonntag, was am Montag war. Meine fiebervernebelte Birne lässt das nicht zu. Macht aber nichts. Das Programm war an beiden Tagen dasselbe und dazu ziemlich ereignislos.

Ich schlendere einfach, ohne einen Blick auf die Karte zu werfen, durch Cartagena. In der Hoffnung in den Geschäften all das Zeug zu finden, das ich brauche. Dazu zählen Zweitaktöl, Getriebeöl und ein 5-Liter-Behälter Wasser, den ich als Benzinkanister missbrauchen werde. Außerdem eine Spritze um das Getriebeöl in Bertl zu bekommen.

All das brauche ich um Bertl startklar zu machen, wenn ich sie denn wirklich irgendwann befreit kriegen sollte. Denn noch in Deutschland musste ich alle Flüssigkeiten ablassen. Und sowohl ohne Sprit als auch ohne Getriebeöl fährt es sich schlecht vom Hof.

Außerdem brauche ich eine Regenjacke, Socken, Schnürsenkel und Unterhosen. Vorweg, Socken und Unterhosen sollten das einzige sein was ich finden werde, da sowohl Sonntag die meisten Läden geschlossen hatten, als auch am Montag, da dieser Montag ein landesweiter Feiertag war. Überhaupt waren diese beiden Tage in Cartagena eher ein Fehlschlag.

Cruz roja

Zum Beispiel scheitert mein Vorhaben beim kolumbianischen roten Kreuz meine Hepatitis B Impfung aufzufrischen. Der Laden hat zwar laut Internet am Feiertag offen. Vier Taxikilometer später stellt sich aber die Realität etwas anders dar, als ich vor verschlossener Türe stehe.

Der gemeine kolumbianische Stadtbus

Zurück beschließe ich den Bus zu nehmen. Und an dieser Stelle möchte ich an klaustrophobische Leser die Empfehlung aussprechen niemals in einem kolumbianischen Stadtbus mitzufahren. Zunächst quetscht man sich irgendwo in einen 20 Quadratzentimeter großen Freiraum um dann vollständig dem Willen des Fahrers und seines ayudante, dem Helfer, ausgeliefert zu sein. Letzterer hängt während der gesamten Fahrt aus der offenen Tür und schreit ununterbrochen die Endstation aus dem Bus. Signalisiert einer der Passanten Interesse mitzufahren schreit der ayudante irgendwas für mich unverständliches, sofern der Kutscher es nicht selbst sieht, so dass jener voll in die Eisen steigen kann. Die gesamte Ladung Menschen im Bus wird dann mit einer gefühlten g-Kraft von 267 in Richtung Frontscheibe gedrückt. Selbiges passiert auch jedes Mal wenn eine der 50 Personen im Bus aussteigen möchte und laut para, halt an, ruft. Dazu kommt die Tatsache, dass die Kolumbianer nicht aussteigen wenn der Bus für eine andere Person 50 Meter vor ihrem eigenen Ziel sowieso hält. Der Bus fährt dann wieder an, was in diesem Fall heißt Pedal durch bis aufs Bodenblech und mit Volllast beschleunigen, bis dann eben 50 Meter später wieder para gerufen wird und sich das Spiel wiederholt.

Ehestreit auf kolumbianisch

Ich schlendere also wie erwähnt. Trinke hier einen Kaffee, da einen Saft und schmelze in der glühenden Hitze dahin. Als ich mal nur eine Parallelstraße weg von der Hauptstraße laufe, werde ich prompt Zeuge davon wie die Polizei in einer eher ärmer anmutenden Umgebung versucht, eine wild mit einem Riesenküchenmesser fuchtelnde junge Frau zu beruhigen. Vermutlich ist ihr ihr Macker fremd gegangen. Kolumbianer/innen sind prinzipiell eher von der untreuen Sorte. Sagen sie selbst.

Prinzipiell erscheint mir Cartagena eher unsicher im Vergleich zu Santa Marta. Ich werde im Hostel und in Restaurants ständig darauf hingewiesen, wenn ich raus gehe, mein Handy nicht in der Hand zu halten und ab 20 Uhr abends lieber ein Taxi zu nehmen anstatt zu laufen. In der Nacht von Sonntag auf Montag wird mir, als ich abends nochmal kurz rausgehe um was zu essen zu kaufen, von (wegen des Feiertags) besoffenen Kolumbianern irgendein Zeug hinterhergerufen, das neben dem Wort Gringo kaum zu verstehen ist. Das gefällt mir so nicht und ich beschließe keinen Tag länger als nötig hier zu bleiben.

Stadtmauer

Aber Cartagena hat auch schöne Seiten. Und jede Menge Geschichte und Kultur. Ich laufe schnellen Schrittes an der Messerszenerie vorbei und erst wieder Richtung Stadtmauer und dann kilometerlang auf bzw. an der Mauer entlang. Dazwischen bieten sich immer wieder herrliche Anblicke auf die Stadtmauer selber, die ummauerte Altstadt und die mit Hotels übersäte Landzunge Bocagrande.

Die Mauer ist insgesamt 11 Kilometer lang und daran gebaut wurde stolze 200 Jahre. Zweck war die Abwehr von Piraten.

Nachtleben

Es kommt erst wieder Bewegung in diese letzten drei, fast vier Tage, als mich am Montagabend dann Gabriela aus Santa Marta nochmals für zwei Tage besucht. Gemeinsam latschen wir Montagabend noch ein wenig durch das Zentrum von Cartagena und erkunden das Nachtleben dieser Großstadt. Auffallend ist vor allem, dass es deutlich teurer ist als das von Santa Marta, mehr Touristen unterwegs sind und die schiere Menge an Prostituierten am Torre del Reloj, der eigentlich Plaza de las putas heißen müsste. Hier rosa umkreist.

Luis, Felipe und Bertl

Als ich am nächsten Tag (Dienstag) von mir aus Luis anrufe um zu erfragen, wie es denn nun weitergeht mit meiner Bertl, erzählt er mir erst grob den Ablauf und erwähnt dann beiläufig, dass ich doch wenn ich Zeit habe, mittags noch in seinem Büro vorbeikommen könnte, um einige Unterschriften zu leisten. Nicht mehr. Wir (Gabriela und ich) verbinden das also mit dem Mittagessen und wollen danach wieder weiter durch Cartagena flanieren. Aber nachdem die Tinte trocken ist, erwähnt Felipe, Luis‘ Sohn dann noch beiläufiger als vorher, dass wir also in zwanzig Minuten gemeinsam in den Hafen fahren. So völlig unvorbereitet wie ich dafür in diesem Moment bin, bin ich dann zum allerersten Mal froh über ein Problem mit den Frachtpapieren, das einige Minuten später dafür sorgt, dass wir heute doch noch nicht in den Hafen fahren können. Stattdessen wird das mal für den heutigen Mittwoch angepeilt.

Dengue, Malaria, Zika oder noch nur ein Schnupfen?

Auf dem Rückweg von Luis‘ Büro per pedes merke ich dann schon, dass ich mich irgendwie schlapp fühle. Mein Rücken schmerzt ungewöhnlich stark. Und die Kopfschmerzen, die ich morgens noch auf einen Minikater geschoben hatte, hämmern inzwischen auch extrem. Mit jedem Meter wird es übler. Wir kommen im Hostel an und ich falle völlig erschöpft auf eine der Sitzgelegenheiten. Mit jeder Minute, die ich dort sitze, verschlechtert sich mein Zustand. Der Schädel brummt, der Rücken schmerzt. Es gesellen sich noch Knieschmerzen dazu. Außerdem fängt der Hals bereits an zu kratzen. Dazu ist mir plötzlich kalt. Bei mehr als 30 Grad Außentemperatur. Es hat mich wohl erwischt. Volle Möhre.

Ich quäle mich in mein Zimmer und messe Fieber. 38,8 Grad. Rektal gemessen. Zwar kein Grund zur Panik, aber wenn man in diesen Breitengraden fiebrig ist, dann kann es natürlich immer etwas mehr als eine leichte Grippe sein. Ich trinke literweise Wasser, nehme noch eine Paracetamol und gehe früh ins Bett, darauf hoffend, dass mich nicht die Malaria dahinraffen wird.

Nach einer Nacht mit wenig Schlaf, aufgrund der Rückenschmerzen in Verbindung mit einer beschissenen Matratze, zeigt das Thermometer morgens noch 38,2 Rektal gemessene Grad Fieber. Ein Schritt in die richtige Richtung. Ich fühle mich allgemein besser, wenn auch eigentlich noch nicht bereit dazu, heute mit Luis einige Stunden zum Hafen zu gehen. Aber meine Frage, ob wir denn auch morgen gehen könnten, beantwortet er mit: „Alles klar. Wir gehen heute Mittag“. Also auf spanisch. Aber sinngemäß.

Jetzt heißt es also Kopf ausm Arsch ziehen und nicht rumheulen. Bertl erwartet mich.

Shoppingtour

Nach dem Frühstück sage ich nun endgültig ein letztes Mal Ada zu Gabriela, die auf ihren Bus muss. Eine letzte Fiebermessung ergibt glatte 38 Grad. Rektal gemessen. Auf dem Papier also noch Fieber. Ich werfe nochmal eine Paracetamol ein und mache mich selbst auf, meine am Feiertag noch gescheiterten Besorgungen zu erledigen Und es läuft, Freunde, es läuft. Als erstes geht es zur Apotheke, wo ich meinen Paracetamol-Vorrat auffülle und bei der Gelegenheit auch gerade noch eine Spritze kaufe. Die Lady in der Apotheke muss schmunzeln, als sie mich nach dem Anwendungszweck fragt und ich ihr schildere, dass ich damit Getriebeöl in eine alte Vespa einfüllen muss. Aber die Spritze, die sie hervorzieht sollte passen. Läuft. Inzwischen zeigt auch die Tablette Wirkung und ich fühle mich besser. Froh darüber, dass es doch heute schon in den Hafen gehen soll.

Ich knalle mich in ein Taxi, philosophastere unterwegs mit dem Kutscher über Real Madrid und die Causa Gareth Bale und lasse mich zu der Motorradwerkstatt bringen, die mir Luis empfohlen hatte. Und nach kurzer Diskussion mit dem Schrauberguru Mauricio findet sich sowohl Zweitaktöl, als auch Getriebeöl und sogar eine Pulle WD40. Damit hätte ich wieder fast alles, was ich in München am Flughafen zurücklassen musste. Schmiert bei mir. Danach kaufe ich noch einen Sechs-Liter-Behälter Wasser, den ich dann morgen noch mit Sprit füllen und mit Zweitaktöl anreichern kann, wenn ich die sechs Liter Wasser getrunken habe.

Und so liege ich, Stand jetzt, in meiner Hostelkoje, perfekt vorbereitet, wenn auch immer noch etwas wirr und kränklich und warte darauf, dass mich Luis darüber informiert, wann wir in den Hafen fahren. Die Mission #freebertl scheint endlich zu beginnen.

4 Antworten zu “Tage 29, 30, 31 und 32.1: Onkel Norbert hat Fieber”

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