Tag 32.2: 37,5°C – rektal gemessen

Ich kann aktuell nicht viel tun, weil ich ständig auf Abruf stehen muss, um in den Hafen zu gehen. Das gibt mir auch mehr Zeit zum Schreiben. Daher schieße ich nach gestern gleich nochmal einen aus der hüfte nach um Tag 32 abzuschließen.

Die Getriebeölspritze

Mittags beschließe ich schon mal in Ruhe zu testen, wie das mit dem Getriebeöl und der Spritze funktionieren könnte. Dabei offenbaren sich einige Probleme.

Zunächst ist es völlig unmöglich mit der Spritze das Öl aus der Flasche zu ziehen ohne eine Riesensauerei zu veranstalten. Hätte ich auch vorher dran denken können. Ich hab’s aber mit dem Denken aktuell nicht so. Also nochmal los und Alu-Lasagne-Auflaufformen gekauft. In diese werde ich dann das Öl erst abfüllen und es von dort in die Spritze ziehen.

Ist das erledigt, muss das Zeug ja irgendwie in Bertl gelangen. Das Problem ist, dass das Öl in eine horizontal gelegene Bohrung (M8) im Motor muss. Die Ölflasche hat aber einen 2€-Stück großen Auslass. Irgendwas muss ich also dazwischen schalten. Erst einmal benötige ich die Hilfe meines einschlägig handwerklich ausgebildeten Bruders in Deutschland. Denn in meinem Betriebswirtschaftsstudium habe ich nie gelernt, welche Größe die Bohrung für eine Schraube M8 hat. Für meinen späteren Spritzenplan ist es aber essenziell die Größe der Bohrung zu kennen. Viele werden nun die Hände über ihrem zarten Köpfchen zusammenschlagen. Ich stehe aber zu meinem Unwissen. Mit einer einzigen WhatsApp Sprachnachricht, bringt mein Bruder also Licht ins Dunkel. Gebohrt wird mit 6,8 mm und dann das Gewinde geschnitten bzw. korrekt bezeichnet gebohrt. Mein Spritzenkopf sollte also kleiner als das sein, um in die Bohrung zu passen. Danke für die Hilfe, Briederle.

Das Getriebeöl, das jetzt sein Dasein am Münchner Flughafen (nochmal danke ans Luftamt Südbayern) fristet, hatte einen Aufsatz hierfür, der an der Flasche abdichtet und perfekt an die Bohrung passt. Außerdem bereits exakt die richtige Menge Öl beinhaltet. Hilft mir nun leider nicht mehr weiter. Hier kommt nun also die Spritze ins Spiel. Mit den Infos über die Bohrungsgröße mache ich mich an die Arbeit. Ganz so einfach ist aber auch das nicht.

Die Nadel der Spritze (Nummer 1) ist erwiesenermaßen viel zu dünn um das dickflüssige Öl durchzupressen. Und selbst wenn es ginge, wollte ich keine fünf Spritzenladungen Öl durch ein winziges Spritzenloch drücken müssen. Das würde Tage dauern. Die Spritze selbst (Nummer 2) ist vorne definitiv zu dick um in die Bohrung zu passen und auch zu kurz um weit genug hineinzureichen, selbst wenn sie denn passen würde. Bleibt noch die Verpackung/Schutzhülle der Nadel (Nummer 3). Ich will versuchen, diese irgendwie mit dem dicken Ende der Spritze zu verbinden. Das Problem: Das gelb umkreiste Ende der Verpackung ist verschlossen. Das gelb umkastete zu dick. Ein erster Versuch das dicke Ende mit Isolierband mit der Spritze zu verbinden, funktioniert. Stellt mich aber noch nicht absolut zufrieden.

Mit dem Taschenmesser, das ich im Nationalpark Tayrona am Strand gefunden habe nehme ich den verschlossenen Teil der Verpackung/Schutzhülle ab und schiebe diese in die Spritze.

Sie lässt sich fast einen Zentimeter in die Spritze schieben, dichtet dadurch in einem ersten Testversuch perfekt ab und wird daher für gut befunden. Einziges Problem, das bleibt, ist, dass die Schutzhülle nach oben hin immer dicker wird. Das Ende wird so aktuell nicht in die Bohrung im Motor passen. Mein Plan ist aber, vor Ort die Länge mit dem Taschenmesser anzupassen, wenn ich die Bohrung vor Augen habe.

Das ganze könnte klappen. Ist aber das erste Mal, dass ich das so mache und ein Restrisiko bleibt. Außerdem muss ich so fünf Spritzenladungen in Bertl pumpen. Ich weiß nicht wie lange die Spritzen das mitmachen und habe daher vorsichtshalber drei davon gekauft, weshalb die Apothekerin von nebenan nun auch glaubt, dass ich ein Junkie bin.

Sprit

Als das alles erledigt ist, bleibt noch immer Zeit, da nach wie vor keine Info von Felipe oder Luis vorliegt, wann es in den Hafen gehen soll. Ich fülle also die Trinkflaschen sämtlicher meiner fünf Zimmergenossen mit meinen sechs Litern Wasser um Platz zu schaffen für den Sprit, der Bertl zum Leben erwecken soll und marschiere mit meinem Bottich zur nächsten Tanke.

Getankt wird hier nicht selbst, sondern klassisch mit Tankwart. Dieser empfängt mich und will wissen, was er für mich tun kann. Ich sage Hola señor, wie viel Oktan hat denn der Fusel? Der hier hat 90, sagt er und tippt auf den Sprit mit der Bezeichnung Plus und der hier 100, während er die raue Tankwarthand auf der Zapfsäule mit dem Aufschrieb Premium ruhen lässt. 100 Oktan? Brauche ich zwar nicht. 95 wären genug. Aber zu viel ist besser als zu wenig. Bertl würde zwar wahrscheinlich sogar mit Feuerzeugbenzin anspringen, aber nach der langen Zeit, die sie keinen Sprit in den Leitungen hatte, will ich sie nicht überfordern. Also immer rein damit Señor, ich brauche exactamente 5 litros. Litros hammer net sagt mir der Zapfmeister. Hier wird in Gallonen abgerechnet. Auch das noch. Wir erörtern, dass 1,5 Gallonen wohl in etwa meine 5 Liter ergeben und ich gebe das Startsignal zum Zapfen.

Wieso brauche ich exakt fünf Liter? Nun, brauche ich nicht zwingend, macht aber die Rechnung einfacher. Welche Rechnung? Die wie viel Zweitaktöl ich in den Sprit kippen muss um mein ideales Gemisch zu erhalten. Kleiner Exkurs für alle, die sich nicht so oft mit Zweitaktmotoren auseinandersetzen: Das Öl, das man in den Sprit gießt, hat den Zweck alle sich bewegenden Teile im Motor während der Verbrennung zu schmieren. Neuere Motoren haben einen Benzintank und einen Behälter für Öl und mischen während des Betriebs selbständig Öl zu. Meine Bertl ist eines der letzten Modelle ohne diese sogenannte Getrenntschmierung. Daher muss ich also in jede Ladung Benzin Zweitaktöl nach dem Mischungsverhältnis 1:50 nachgießen. Also 1 Liter Öl auf 50 Liter Sprit. Bei fünf Litern Sprit also 100 ml Öl.

Als ich da nun also mit meinen eineinhalb Gallonen feinsten Premiumsprits die Straße entlang laufe, kann ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. Es scheint jetzt echt langsam loszugehen. Ein erhabenes Gefühl.

Zurück im Hostel stelle ich meinen Kübel Sprit erst mal in die Ecke und mache mich an die Rechnung: 1,5 Gallonen entsprechen exakt 5,678117676 Litern. Ich muss also 113,56235352 ml Öl beimischen. Oder einfach 115 ml. Es gilt, lieber zu fett, als zu mager zu mischen. Zu mager kann Schäden am Motor verursachen. Zu Fett, stinkt und qualmt einfach nur mehr. Eh geiler. Win win. Mischen werde ich aber erst im Hafen. Denn mein Messbecher kommt gemeinsam mit Bertl in der Kiste an.

Hör ma Luis, da war doch was

Um circa 16 Uhr schreibe ich mal eine vorsichtige Nachricht an Luis, ob da heute noch was geht. Eine gute Stunde später, erhalte ich meine Antwort von seinem Sohn Felipe.

Ups, ne Sorry. Heute nicht mehr. Morgen Mittag dann um 14 Uhr.

Ay ay Felipe, heute genug gearbeitet, denke ich mir und reiße mir eine Hülse auf. Und während ich das Ding trinke, merke ich wie meine Stirn schon wieder heiß wird und das Halsweh zurückkehrt. Ich bette mich also früh und will mich erholen. Leider habe ich nun aber ausgerechnet heute meine Ohropax verloren. Und während mein Bettnachbar 1 bis weit nach 23 Uhr The Expendables auf seinem Handy ohne Kopfhörer schaut, schnarcht Bettnachbarin 2 dermaßen heftig, dass die Betten vibrieren. Das Maschinengewehrgeballer aus Bett 1, gemeinsam mit den in Bett 2 verursachten seismischen Aktivitäten, lassen mich an Schlaf nicht mal denken. Irgendwann schlafe ich dann doch und wache aber heute Morgen wenig erholt und mit üblem Halsweh auf. Immerhin ergibt eine morgendliche Fiebermessung 37,5 Grad.

Rektal gemessen.

6 Antworten zu “Tag 32.2: 37,5°C – rektal gemessen”

  1. Kurz und schmerzlos,
    rektale Fiebermessung ist äußerst ungenau 😉 nur mal so weil du die rektale Messung so gerne wiederholst.
    Werd und bleib Gesund !!!

    Und dann geht’s richtig ab, du und Bertel über Stock und Stein.

    1. Hi Thomas, da liegst du leider falsch. Das exakte Gegenteil ist der Fall. Es handelt sich um die genaueste Messart ☝🏼 ich mach es also nicht nur weil es am meisten Spaß macht…

  2. Hast du mal versucht nen pvc Schlauch auf die Spritze zu machen?

    Den kannst du in der richtigen Größe kaufen, löst sich nicht auf durch das Benzin und durch erhitzen könnte er flexibel genug sein um auf eine größere Spritze zu passen. Ich denke die Prozedur den Öl nachfüllen wirst du in der Zeit drüben öfters machen

    1. Mahlzeit Gönni, Schlauchkauf gestaltet sich allgemein eher schwieriger. Habe mit nem Infusionsschlauch aber ne gute Lösung gefunden. Getriebeöl werde ich wohl alle 4.500 bis 5.000 km wechseln. Also gar nicht so oft.

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