Tage 81 und 82: Im Süden nichts Neues

Ereignislose, langweilige zwei Tage gehen zu Ende und lassen mich etwas deprimiert zurück. Wieso? Hier in einem einschläfernden unspektakulären Bericht nachzulesen.

Manizales

Nun also Manizales. Ich versuche zunächst wieder auszuschlafen, scheitere wieder kolossal und verdaddle danach ein wenig Zeit mit fertig machen und frühstücken. Und als ich dann aufbreche zu meiner Erkundungstour der Stadt, ist es schon nach 10 Uhr.

Das erste Ziel, der Parque del Agua, ist die Erwähnung eigentlich nicht wert. Unterscheidet ihn doch nicht viel von jeder x-beliebigen Grünfläche auf einem herkömmlichen deutschen Kreisverkehr.

Also weiter zur Stierkampfarena. So wenig ich diesen „Sport“ auch nachvollziehen kann, so gerne würde ich die Arena Mal von innen sehen. Wird nur leider auch nix, da die aus unerfindlichen Gründen geschlossen ist. Für heute muss der Blick darauf von außen reichen…

Also geht’s weiter zum Ecoparque Los Alcazares Arenillo. 36 Hektar Grün- und Waldfläche am Stadtrand von Manizales. Mit haufenweise Schmetterlingen, Kolibris und anderen Vögeln. Schön ruhig, frische Luft aber nix wofür ich extra nach Kolumbien hätte kommen müssen, denke ich mir während ich entlang der gut präparierten Waldwege laufe. Irgendwas stimmt gerade einfach nicht. Ich bin nicht ausgeschlafen, das Wetter ist die meiste Zeit beschissen und viel erleben tue ich auch gerade nicht. Und während ich so darüber nachdenke, was ich wie an meiner Situation ändern könnte, erwischt mich auch schon wieder der nächste Regenguss.

Ich sitze denselbigen beim Mittagessen erfolgreich aus und lasse mich danach zu einer Tour zum Nevado del Ruiz beraten. Das wäre Mal wieder ein Erlebnis und könnte meine Stimmung vielleicht etwas aufheitern. Die Ganztagestour kostete circa 40 Euro, brächte mich per Allradjeep auf 4.300 Meter und anschließend zu den heißen Quellen von Manizales. Blöderweise ist für den Berg nicht einfach nur scheiß Wetter vorhergesagt, sondern sogar Gewitterstürme. Dafür will ich meine Kohle nicht zum Fenster rauswerfen.

Highlight des Fußmarsches durch Manizales: Der Kerl, der an der Ampel alleine reisenden Männern Porno-DVD-Cover ins Auto reicht. Diese gehen in der Regel in aller Ruhe die Titel durch und schlagen dann bei Bedarf zu. Es gibt hier nichts, was nicht auf der Straße verkauft werden kann.

Weil es anschließend wieder zum Regnen kommt, mache ich den restlichen Tag nichts weiter als Netflix und Duolingo und schlafe noch vor 21 Uhr früh ein.

Aufwachen tue ich erst um kurz vor 8 wieder. Den Schlaf hatte ich wohl gebraucht. Aber selbst mit 11 Stunden Schlaf im Tank fühle ich mich noch nicht so ganz fit.

Heute fahre ich die etwas weiter entfernten Ziele mit Bertl an. Ich beginne mit der Kirche Señora del Rosario…

…und weiter zum Aussichtspunkt El Chipre.

Dann heize ich einfach so noch etwas durch Manizales. Die Stadt ist an einen Hang gebaut und die Straßen sind teilweise extrem steil. Schwierig aber irgendwie auch spaßig zu fahren.

Irgendwann dann aber wieder wie üblich Regen, der mich in mein Hotel verbannt. Ich mache zwei Stunden Mittagsschlaf und gehe danach zum Haar- und Bartschneidemeister um die Ecke. Auf dem Weg dorthin komme ich noch an einer Studentendemo vorbei, bei der ich unter anderem ein Plakat sehe auf dem steht: Jeder Hitler bekommt sein Stalingrad. Da muss ich zumindest kurz schmunzeln. So viel Geschichtskenntnis hätte ich nicht erwartet.

Windschnittiger denn je, mit frisch rasierten Seiten, suhle ich mich in meinem Hotel wieder in Selbstmitleid. In Ecuador wird es von Tag zu Tag schlimmer. Eine Einreise kommt wohl so schnell nicht in Frage und in meinem Kopf spinne ich schon Pläne über Einreise nach Panama und Mittelamerika nach Mexiko zu reisen.

Aber erst Mal bin ich noch hier in Kolumbien. Und habe irgendwie gerade einen Durchhänger. Wetterbedingt erlebe ich nicht allzu viel und das drückt auf die Stimmung. Nur, das Wetter wird sich so schnell nicht ändern, nur weil ich es mir wünsche.

Also muss ich was ändern. Was, das weiß ich momentan noch nicht so genau. Aber es wird Zeit, dass ich meine Murmel Mal wieder zurechtrücke. Ich bin schließlich nicht hier hergekommen um mich mies zu fühlen.

Vielleicht trifft es sich deshalb ganz gut, dass am Montag Feiertag in Kolumbien ist und ich mich auf halber Strecke zwischen Manizales und Bogota nochmals für das lange Wochenende mit Natalia treffe. Ablenkung kann nicht schaden.

2 Antworten zu “Tage 81 und 82: Im Süden nichts Neues”

  1. Hey Norman,
    lass Dich nicht unterkriegen. Ich lese hier seit Wochen begeistert mit und bewundere Dein Durchhaltevermögen. Da das Wetter hier noch richtig schön ist fahre ich jeden Tag die paar Kilometer mit meiner kleinen PK 50 zur Arbeit und ertappe mich dabei, wie ich mir vorstelle, jetzt durch Kolumbien fahren zu müssen. Tausende von Kilometern. Meine Hochachtung steigt von Tag zu Tag. Mach weiter so und pass auf Dich auf!
    Grüße
    Christian

    1. Hi Christian, klingt genial. Ich bin weiter voll motiviert, hatte aber die Tage eben einen kleinen Durchhänger, weil ich dachte, ich müsste mich wegen Ecuador vom Traum Patagonien verabschieden. Das hat etwas auf die Stimmung gedrückt…

      Dir weiter viele pannenfreie Kilometer auf deiner PK50 und nochmals danke für deine Nachricht ✌🏼

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