Tage 166 und 167: Wie ich zum ersten Mal in meinem Leben ein solches gerettet habe

Vorab aufgrund regen Interesses: Die Ringzehe. Blau aber bereits wieder überraschend schmerzfrei.

Tagesordnungspunkt 2: Ein verdammt miserabler Kack-Scheißtag zum Vergessen, der trotzdem einen der glücklichsten Momente meines Lebens beinhaltet. Das ist der 2. Januar 2020. Wie dieser eine Tag das beides schafft:

Road to Puerto San Julián

Der Tag startet gut. Da mein Zelt zum Fußende hin immer schmaler und sogar schmaler als meine Isomatte wird, hatte ich in der Vergangenheit die Isomatte nicht weit genug in jener Ecke. Meine Füße lagen deshalb auf unisoliertem Grund und könnten die Kälte der vergangenen Tage erklären, die ja gefühlt tatsächlich von den Füßen ausging. Diese Nacht knicke ich die Isomatte etwas und bekomme dadurch meine Füße ebenfalls darüber. In Verbindung mit dem zweiten Schlafsack, schlafe ich die komplette Nacht durch und wache wunderbar warm am nächsten Morgen auf. Fast war es sogar zu warm. Denn durch die Kälte der letzten Nächte, hatte ich meine Zeltfenster komplett dicht gemacht. Nun, da mir aber im Schlafsack warm genug wurde, habe ich extrem viel geschwitzt. Durch die jetzt fehlende Belüftung, hat sich mein Zelt in eine Dampfkammer verwandelt. Von allen Seiten und der Decke tropft es auf mich herab. Etwas, dass ich aber durch korrektes Aufbauen des Zeltes und Öffnen der Fenster ohne Probleme in den Griff bekommen sollte. Für heute trockne ich also meine beiden Schlafsäcke und das Zelt in der Morgensonne und rede mir ein, dass dank zweier Schlafsäcke die kalten Nächte nun ein Ende haben.

Dabei ignoriere ich den Fakt, dass die letzte Nacht mit Tiefstwerten von 14 Grad nun temperaturtechnisch auch nicht wirklich ein (Achtung, kommt flach) Gradmesser war.

Mit „the Essential of Radiohead“ auf den Löffeln geht es also los zum nächsten Ziel im Zwölftagesplan. Und das ist glücklicherweise auch Mal wieder eine Stadt und nicht nur eine Tankstelle mit Parkplatz. Puerto San Julián. 275 km entfernt. Direkt am Meer gelegen und mit der Möglichkeit in Ruhe Ölwechsel und Vergaserreinigung zu vollziehen. Soweit die Theorie. Über die Schwierigkeit der Vorausplanung bei einer solchen Tour hatte ich ja bereits oft genug etwas geschrieben. Und auch heute sollte es wieder komplett anders kommen.

Zunächst aber mache ich schnell und entspannt langweilige Kilometer. Der patagonische Wind ist zwar da, aber noch sehr schwach. Erfahrungsgemäß wird dieser im Tagesverlauf erst stärker.

Einige Male versuche ich wieder die bislang fälschlicherweise für Strauße oder Emus gehaltenen Vögel abzulichten. Inzwischen weiß ich, das sind Nandus. Nandus, Freunde. Und keine Strauße. Nandus sind quasi Strauße. Aber mit mehr Gefieder. Nandus also. Jene Nandus sind aber dermaßen auf der Hut, dass sie jedes Mal das Weite suchen, wenn ich nur die Kupplung ziehe und langsamer werde.

Nur einmal als ich bereits vorbei bin, an einer Schar Nandus und diese nicht komplett getürmt, bekomme ich sie abgelichtet.

Neben Nandus sind auch immer wieder die von mir gerne beobachteten Guanacos zu sehen. Auch diese Tiere, die mich irgendwie an eine Mischung aus Lama und Gazelle erinnern, sind sehr scheu und ergreifen gleich die Flucht, wenn sich ein Auto oder ein Motorrad nähert, sind aber beim Flüchten überraschend grazil und daher eine schöne Ablenkung von der ansonsten eher weniger abwechslungsreichen Landschaft. Mit ihrem dümmlich sympathischen Gesichtsausdruck sind die Grasfresser außerdem für mich, der ich seit Beginn dieses Trips eine merkwürdige Tieraffinität entwickelt habe, auch irgendwie süß anzusehen.

Entsprechend schnell bin ich in meiner Reaktion als ich nach etwa 100 km meine, etwas weiter entfernt eines dieser Geschöpfe verfangen in dem Zaun zu sehen, der tausende Kilometer entlang dieses Highways Schafe daran hindern soll von ihrem Weideland abzuhauen. Ich parke Bertl auf dem Seitenstreifen und nähere mich an. Und Tatsache, das Guanaco hängt mit dem rechten Hinterlauf eingedreht in den obersten (Stacheldraht) und den zweiten Draht fest. Völlig panisch und durch mein Annähern noch panischer, versucht sich das arme Ding wie wild mit den Vorderläufen und dem verbliebenen Hinterlauf zu befreien. Rund um das gefangene Bein ist schon Fell abgeschabt und blutendes Fleisch zu sehen. Ich nähere mich langsam und gut zuredend an das Guanaco an und ziehe die beiden Drähte weit genug auseinander, so dass es den gefangenen Hinterlauf befreien kann.

Leider passiert dann nicht was ich mir davon erhofft hatte. Anstatt wie jeck wegzurennen, fällt das Arme nach vorne um und bewegt sich nicht weiter.Ich versuche ihm in guter Absicht Angst zu machen um es dazu zu bringen aufzustehen und zu laufen, aber zunächst bleibt es bei diesem hoffnungslosen Versuch.

Ich warte noch einige Minuten länger ohne irgendetwas tun zu können. Das arme Ding weiß, dass irgendwas mit seinen Beinen nicht stimmt und blickt immer wieder nach hinten wenn es einen weiteren erfolglosen Versuch gestartet hat. Aber es wird nicht viel besser. Fast weinend, weil ich ihm nicht helfen kann, lasse ich es irgendwann an Ort und Stelle zurück, als es zumindest so aussieht, als würde wieder etwas Kraft in die Beine zurückkehren…

…und beschließe sobald es geht jemanden darüber zu informieren. Eventuell kann jemand das Tier mit einer Kugel vor mehr Leid bewahren, denke ich tatsächlich.

Auf den 40 Kilometern zur Raststätte Tres Cerros und damit einzigen Zivilisation an der Strecke kann ich nur daran denken, dass das arme Guanaco vermutlich verdurstend oder verhungernd verenden wird. Allein. Nicht nur von mir, sondern auch von seiner Herde zurückgelassen.

In Tres Cerros teile ich dann der Polizei mit, wo sich das Tier befindet und frage was sie denn in einer solchen Situation zu tun gedenken. Nur um von Cop 1, des angesprochenen Polizei-Gespanns wiederum mitgeteilt zu bekommen, dass irgendwer das Teil schon einladen und ein Abendessen daraus machen wird. Ernsthaft? frage ich. Nein, nein, keine Sorge. Wenn das Blut in die Beine zurückkehrt, rennt das Vieh wieder, versichert mir der zweite Cop und der erste ergänzt nochmal, falls ich es beim ersten Mal noch nicht gehört hatte: Und wenn nicht, geben die Guanacos auch ein super Barbecue. Die Tiere hängen oft in den Zäunen fest. Oft holen die Leute sie später ab, wenn sie tot sind.

Es wird sich also niemand um dieses Guanaco kümmern? frage ich nochmal. Wir auf jeden Fall nicht, sagt Cop 2, lacht und hält mir die Tür auf.

Ich bin jetzt total aufgewühlt und wütend. Hundertfach passiert so etwas vermutlich jährlich. Aber weil ich dieses eine Lama eben selbst gesehen und persönlich vermeintlich gerettet habe, berührt mich sein Schicksal mehr als es vermutlich sollte.

Ich würge etwas zu essen in mich rein und fahre weiter. Ich versuche mir einzureden, dass mein befreites Lama die Kraft in den Beinen schon wieder zurückerlangen und überleben wird. Da passiere ich einen Streckenabschnitt, an dem es rechts zum Zaun hin etwas steiler den Hang hinaufgeht. Und im Abstand von etwa fünf Metern hängen dort verwesende Guanacos über dem Zaun oder liegen deren knochige Überreste darunter. Insgesamt zähle ich so um die zehn Kadaver und Skelette und bin einfach nur noch schockiert.

Allesamt waren sie vermutlich vom Verkehr aufgeschreckt geflüchtet und aufgrund der Steilheit des Hanges am Sprung über den Zaun gescheitert. Die meisten hängen mit der vorderen Körperhälfte über dem Zaun, während die Hinterläufe in der Luft hängen. So haben sie keine Chance mehr ihre hintere Körperhälfte über den Zaun zu wuchten. Beim Versuch trotzdem irgendwie darüber zu kommen, verheddern sie sich dann meistens noch mehr in den Zaundrähten bis sich nach tagelangem Kampf gegen den Tod in direkter Sichtweite der vielbefahrenen Ruta Nacional 3 dann die Geier holen was für sie angerichtet wurde.

Am liebsten würde ich mein Mittagessen wieder neben die Ruta 3 kotzen, so sehr schlägt mir dieser Anblick nach dem zuvor erlebten auf den Magen. Ich ringe mich dann dazu durch, weiterzufahren und traue keine 20 km weiter meinen Augen nicht. Auf der anderen Straßenseite, wieder etwa 20 Meter von der Straße weg, sehe ich das nächste Guanaco im Zaun verheddert. Aber noch am Leben und um selbiges kämpfend. Dieses hängt aber nicht nur wie zuvor mit dem Bein im Zaun, sondern exakt so wie die toten Guanacos vorher mit der Körpermitte auf dem Zaun.

Sofort stelle ich Bertl ab und nähere mich wieder langsam an. Das Guanaco sieht mich und verfällt in Panik. Wie verrückt versucht es mit den Vorderläufen zu rennen, hängt dabei aber mit den hinteren im Zaun fest. Ich versuche mich von leicht seitlich anzunähern, da ich nicht weiß, wie viel Kraft das arme Ding noch in den hinteren Läufen hat. Und ich will es auch ungern bei einem Tritt an den Schädel ausprobieren. Egal von welcher Seite ich mich aber annähere, das Guanaco dreht seinen Kopf stets in meine Richtung und fixiert mich, kommt mir mit dem Maul gefährlich nahe. Mir, der ich keinerlei Erfahrung im Umgang mit Lamas habe (wer hat das schon?) macht das irgendwann so Angst, dass ich mich darauf besinne, das Tier durch (sanftes) Gebrüll etwas anzustacheln und ihm einen extra Schub Adrenalin zur Befreiung zu geben. Ohne Erfolg.

Langsam trete ich wieder den Rückzug an. In all der Zeit hatte ich sowieso schon eher nur noch darauf spekuliert, dass irgendjemand anhält, der sich mit den Tieren auskennt und mir hilft. Aber Fehlanzeige. Der gesamte Verkehr donnert einfach nur, aus den Fenstern gaffend vorbei.

Ich erreiche so wieder Bertl und bin am Boden zerstört, dass ich dem Tier nicht helfen kann. Ich habe selbst zu große Angst, wie ich mir eingestehen muss.

Aber als es dann nochmals verzweifelt und von Misserfolg gekrönt gegen die Kraft des Zauns anrennt, da reicht es mir. Ich lass dich hier nicht verrecken, Alter rede ich mir dauernd laut ein, während ich meine Motorradjacke mit Protektoren, meine Handschuhe und meinen Helm anziehe. Guanaco-Trittsicher. Safety first. Dann pirsche ich mich wieder langsam an das Tier heran. Wieder versucht es sich in der Folge völlig verzweifelt und panisch zu befreien. Ich wähle einen anderen Ansatz und lehne mich mit meinem ganzen Gewicht gegen den benachbarten Zaunpfahl um so dem Tier einen besseren Winkel zu geben. Da aber sehe ich erst, dass es nicht nur mit der Körpermitte auf dem Zaun hängt, sondern das linke Bein auch im Zick-Zack zwischen dem obersten und dem nächsten Draht verheddert ist. Dieses Bein ist von den Befreiungsversuchen schon ganz aufgeschürft und blutig.

Bei dem Guanaco zittern jetzt vermutlich aufgrund der Angst und der Anstrengung bereits die Vorderläufe. Okay, sage ich, bringt so alles nix, schnaufe mit Puls 250 tief durch und packe das linke Bein. Keine Gegenwehr vom Tier. Ich bin überrascht, habe aber keine Zeit darüber nachzudenken. Langsam und behutsam fädle ich das Bein zwischen den Drähten durch und lasse es wieder los. Boooom, Schritt 1. Das Tier hängt jetzt nur noch mit dem Bauch auf dem Zaun. Ich warte ganz kurz, ob es sich eventuell selbst befreien kann, muss aber recht schnell einsehen, dass das nicht klappen wird. Dafür ist der Schwerpunkt zu weit vorne und die Beine hinten zu weit in der Luft. Ach, scheiß der Hund drauf, sage ich wieder laut zu mir und schnaufe nochmal tief durch. Mit einem Überraschungsangriff packe ich das linke Bein mit links und das rechte mit rechts und wuchte in einer schnellen Bewegung per Schulterpresse das ganze Kamel über den Zaun. Dort fällt das Guanaco erst einmal auf die Seite, richtet sich dann auf und rennt leicht humpelnd weg.

Aus mir brechen schon bevor sich das Guanaco auf der anderen Seite erfolgreich aufrichten kann direkt nach dem erfolgreichen Wurf über den Zaun alle Emotionen heraus. Ich reiße die Arme nach oben, lehne mich nach hinten, brülle unverständliches Zeug gen Himmel, springe mit geballten Fäusten Gerd-Müller-Style in der argentinischen Steppe auf und ab und schreie dem Guanaco hinterher und jubelnd in meinen Helm, den ich ja noch immer als Schutzausrüstung trage. Mich durchströmt so viel Glück, wie ich es in meinem Leben bislang selten erlebt habe. Dieses arme Tier war dem Tod geweiht. Denn zu seiner Rettung hätten ebenso wenige angehalten, wie zur Rettung der anderen unzähligen toten Guanacos, die ich zuvor gesehen hatte. Auch die Tatsache, dass ich selbst ja auch schon aufgeben und es seinem Todeskampf überlassen wollte, nur um dann doch meine eigene Angst zu überwinden, trägt sicher dazu bei, dass mich das hier so berührt.

Und da ist es dann auch Mal wieder soweit. Als ich den Helm abziehe und mir mit beiden Händen ungläubig auf das davonhumpelnde Guanaco starrend, die Haare raufe, rollen mir ein Tränchen oder zwei die Wange herunter.

Wahrlich einer der glücklichsten Momente meines Lebens.

Diese Euphorie hält noch ein paar Kilometer darüber hinaus an, ehe mich dann auf ein Schlag ein Gedanke bis ins Mark erschüttert. Jeden Tag verfangen sich hier sicher zig Guanacos in den Weidezäunen und keinen interessiert es. Schlimmer noch. Das „Problem“ ist bekannt, wird aber nicht als solches angesehen. Im Gegenteil. Es scheint ja sogar gewünscht. Man lässt den Zaun die Drecksarbeit machen und gönnt sich dann lecker Guanaco-Steak, wenn das Tier nach tagelangem Leiden irgendwann den Kampf gegen den Hunger, den Durst oder die Erschöpfung verloren hat. Nun mag man ja richtigerweise festhalten, dass das Tier nicht ganz umsonst gestorben ist, wenn es sich noch jemand einverleibt. Korrekt. Aber muss es dafür so ums Leben kommen?

Während der folgenden unglaublich windigen 50 Kilometer in denen mich der patagonische Wind fast vom Bock bläst und während derer ich die Augen nicht mehr vom Weidezaun lasse, sinkt meine Laune aufgrund des obig beschriebenen mit jedem Kilometer, bis dann ein Kolbenklemmer und das dazugehörige abrupte Ausgehen des Motors von Bertl dem ganzen noch die Krone aufsetzen. Bei mir: Keine Reaktion. Beziehungsweise völlige Resignation. Ich ziehe die Kupplung, lasse Bertl ausrollen, stelle sie auf den Hauptständer, bleibe einfach darauf sitzen und starre in die Pampa. Mehr kann ich nicht tun. Warten. Abkühlen lassen. Wieder ankicken. Die letzten 22 km nach Puerto San Julián schleppen.

Nicht bereits genug gestresst, kann ich dann hier auf dem öffentlichen Campingplatz mein Zelt nirgends aufschlagen, da dieser selbsttragende Müllsack nur mit komplett im Boden versenkten Heringen steht und der Boden dafür einfach viel zu hart ist. Da das einzige Hotel auf booking.com 60 Dollar pro Nacht kostet, gebe ich aber nicht auf und finde nach ewigem Suchen schließlich eine kleine grüne Insel mit genügend weichem Boden um meine Bleibe aufzustellen.

So gestresst, mit einer mächtigen Krawatte, kann ich mich an die Arbeit machen. Wie im Schlaf laufen die Handgriffe und binnen kürzester Zeit ist Bertl komplett auseinander gebaut.

Ich nehme den Kolben und den Zylinder unter die Lupe. Der Kolben hat nur eine ganz kleine Riefe. Kaum der Rede wert und der Zylinder ist entsprechend ebenfalls kaum in Mitleidenschaft gezogen. Das erklärt auch, dass die Karre sofort wieder lief und ich mit ihr wieder ohne Probleme bis in die Stadt fahren konnte. Meine Mendociner Mechaniker sind der Meinung, dass dieses Klemmerchen lediglich durch die große Hitze und den heftigen Windwiderstand herbeigeführt wurde. In Verbindung mit meinem Gepäck und der vielen Fahrerei habe das meinen Kolben einfach zu sehr erhitzt. Macht Sinn. Denn etwas anderes fällt mir auch beim besten Willen nicht als mögliche Ursache ein. Sollte es aber die Hitze sein, dann verdächtige ich die 1:37,5 Mischung, die ich seit Mendoza auf vielfaches Anraten der Mechaniker hin gefahren bin. Dadurch fehlte unter Umständen die Kühlwirkung des Benzins und es hat Puff gemacht. Nach dem Aufbrauchen des bereits angerührten Sprits geht es wieder zurück auf 1:50. Und nur 1:50. Nichts anderes.

Den Kolben bearbeite ich folglich wieder wie üblich mit Schleifpapier und den Zylinder mit Ätznatron. Standard inzwischen. Leider. Dann baue ich Bertl wieder zusammen soweit es geht bevor es um 22 Uhr dunkel wird und gehe ohne Abendessen erschöpft und mental absolut am Arsch ob der heutigen Erlebnisse in mein Zeltbett. Gute Nacht Welt mit deiner scheiß Menschheit und deren bekackten Zäunen.

Am nächsten Morgen sieht die Welt so aus, wie ich sie am Vortag stimmungstechnisch gerade noch gebraucht hätte. Statt der gestrigen 32 Grad Spitze, werden es heute nur 19 Grad. Blau weicht grau und dazu gibt es ab 12 Uhr Regen. Sagt der Wetterbericht. Da der für mein anvisiertes Ziel sogar den ganzen Tag Regen und nur 13 Grad Spitze vorhersagt und der Samstag aber überall wieder ein schöner Tag werden soll, beschließe ich hier und heute in Ruhe einige Besorgungen und Arbeiten zu erledigen, den Regen dann im Zelt mit Pizza und WiFi auszusitzen und morgen erst weiterzufahren.

Und so reinige ich am Morgen während mein Kaffeewasser heiß gemacht wird in aller Ruhe, aber wieder mit stärkeren Fingerschmerzen den Vergaser, statte diesen mit neuen Dichtungen aus und baue Bertl wieder komplett zusammen. Nach einem Zündkerzenwechsel läuft die Alte vorerst wieder zu vollster Zufriedenheit. Ich pumpe in der Stadt meine Reifen, besorge Zweitakt- und in einer Schnitzeljagd von einer Adresse zur anderen auch Getriebeöl und vollziehe noch einen Ölwechsel. Dann hole ich mir wie geplant genau zu Beginn des Regens eine Pizza und sitze eben jenen Regen in meiner Höhle aus.

Weil es auch nachmittags zwar trockener aber nicht mehr viel wärmer und sonniger wird, kaufe ich lediglich noch Lebensmittel und chille dann etwas vor und meinem Zelt, kontrolliere alle Schrauben und Muttern an Bertl mit dem Drehmomentschlüssel und nehme dann die erste Dusche nach drei Tagen. Denn in meiner Bleibe hinter der Tankstelle gab es keine solche und gestern waren die hiesigen bereits geschlossen, als ich mit Bertl fertig wurde. Dass das nötig war wusste ich zwar bereits. Eine visuelle Bestätigung ist dann aber nochmal das braune Abwasser, das von mir herunterläuft. Niemand hat gesagt, dass es einfach wird.